Herzlich Willkommen
auf dem Leuchtturm Warnemünde

Leuchtturmbotschafter

 

Mein Name ist André Kroboth. Ich bin in Warnemünde aufgewachsen, direkt am Meer, mit dem Leuchtturm vor Augen. Vom Bett aus konnte ich sein Licht sehen. Der Warnemünder Leuchtturm begleitet mich mein ganzes Leben.

Über 30 Jahre habe ich die Klönstuv direkt am Leuchtturm geführt und geprägt. Fast jeden Tag bin ich aus der Tür getreten und hatte ihn vor mir – bei Sonne, Sturm, Nebel und in der Nacht. Er war Teil meines Alltags, keine Kulisse.

Ich war an vielen Küsten in ganz Europa unterwegs und habe unzählige Leuchttürme gesehen. Keiner war je so schön wie der in Warnemünde.

Heute bin ich Leuchtturmbotschafter des für mich schönsten Ortes. Nicht aus Romantik, sondern aus Verbundenheit. Weil dieser Turm für mich Heimat, Orientierung und Ursprung ist.

© Privat
Der Warnemünder Leuchtturmbotschafter André Kroboth.

17.09.2025 Saint Mathieu – Der Klosterruinen Leuchtturm

Als ich den Phare de Saint-Mathieu erreichte, war sofort klar, dass dieser Ort anders ist. Der Leuchtturm steht nicht einfach auf einer Klippe an der Küste. Er steht mitten in den Ruinen einer alten Abtei. Steinmauern, offene Bögen, direkt daneben der aktive Turm und eine eindrucksvolle Sémaphore. Geschichte und Funktion auf engstem Raum.

Beim Betreten des Leuchtturms aus dem Jahr 1835 wurde ich mit einem charmanten Lächeln von einer Leuchtturmfrau begrüßt. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge und tauschten lachend die wichtigsten Fakten unserer Leuchttürme aus. Sie erzählte mir, dass sie im Wechsel auf vier verschiedenen Türmen arbeitet, die gemeinsam von einem Verein betreut werden. Eine beeindruckende Frau.

Im unteren Bereich konnte ich viele technische Details aus dem Alltag des Leuchtturmbetriebs sehen und sie wie ein kleines Kind mit leuchtenden Augen bestaunen. Danach ging es die 163 Stufen hinauf zur 37 Meter hohen Laterne.

Ganz oben angekommen, kam die letzte Herausforderung. Eine kleine, steile Metalltreppe führte zu einer sehr engen Tür. Mein erster Gedanke: Ahhh, Hilfe, da komme ich niemals hoch und schon gar nicht wieder runter. Aber was soll’s. Wie alles im Leben. Schön langsam und Stück für Stück. Handy griffbereit, falls ich feststecke. Am Ende ging es besser als gedacht. Ein echtes Hochgefühl.

Oben öffnet sich die schwere Metalltür zur schmalen Balustrade. Kaum Platz zum Stehen. Der Wind packt einen sofort und drückt einen an den Turm. Gewaltig. Wolken und Sonne wechseln im Sekundentakt, das Meer glitzert darunter. Von hier oben sieht man die Klosterruine aus einer Perspektive, die man von unten nie bekommt.

Man erkennt die Schifffahrtsroute Richtung Brest. Große und kleine Schiffe ziehen vorbei. Die große Linse des Leuchtturms ist aus nächster Nähe zu sehen. Am Tag kann man nur ahnen, wie weit ihr Licht nachts über die Iroise-See reicht. Ich konnte mich an diesem Ort kaum sattsehen. Diese Mischung aus wilder Küste, technischer Meisterleistung und den Mauern aus längst vergangener Zeit hat eine ganz eigene Kraft.

Saint-Mathieu hat mir sehr deutlich gezeigt, was Leuchttürme für mich wirklich sind. Kein Postkartenmotiv und keine Dekoration. Sondern Bauwerke, die Menschen mit Wissen, Mut und Verantwortung geschaffen haben. Genau hier, an dieser harten Felsenklippe.

Danach habe ich mir erst einmal einen Kaffee gegönnt, mit Blick auf diese Bauwerke. Mit Kuchen in der Hand und leuchtenden Augen habe ich meiner Mutter von oben berichtet.

Später stieg ich wieder in mein Wohnmobil Betzi. Ein letzter Blick auf diesen besonderen Ort. Dann rollten wir weiter entlang des Atlantiks. Zum nächsten Leuchtturm. Zum nächsten Kapitel der Reise. (Fotos: Privat)


11.09.2025 Besuch des Phare d’Eckmühl, der Geschichtsträchtige

Als ich vor einem der beeindruckendsten Leuchttürme Europas stand – dem Phare d’Eckmühl aus dem Jahr 1897 –, spürte ich eine sehr vertraute Aufregung in mir. Ein Gefühl, das mich seit meiner Kindheit begleitet, immer dann, wenn ich einem so eindrucksvollen Leuchtturm begegne. Es zieht mich förmlich nach oben.

Der Phare d’Eckmühl erhebt sich mit seinen 65 Metern majestätisch aus der bretonischen Landschaft. 307 Stufen führen hinauf zur Laterne – Stufe für Stufe dem Licht entgegen.

Besonders berührt hat mich die Begegnung mit dem jungen Leuchtturmmann vor Ort. Wir machten ein gemeinsames Foto. Ich zeigte ihm „meinen“ Leuchtturm zu Hause in Warnemünde und erzählte von meiner Heimat. Wir verstanden zwar nicht jedes Wort, doch wir verstanden uns: mit Gesten, Lachen, Blicken – und mit der universellen Sprache der Leuchtturmleidenschaft. Dieser persönliche Moment war etwas ganz Besonderes für mich.

Auch der Aufstieg über die offene Wendeltreppe mit ihren hellen Kacheln war eindrucksvoll. Schritt für Schritt nach oben, dem Licht entgegen.

Im Inneren des Turms erinnert ein Raum an den Marschallprinzen von Eckmühl. Seine Tochter Adélaide ließ diesen Leuchtturm zu seinen Ehren errichten. Der Name führt zurück nach Eggmühl in Bayern, einem historischen Ort aus der Zeit Napoleons.

Und dann öffnet sich der Blick aus schwindelerregender Höhe: Die raue Küste von Penmarc’h liegt einem zu Füßen. Tosendes Wellenrauschen, pfeifender Wind – und zugleich eine tiefe Stille. Rau, kraftvoll und doch unglaublich lebendig.

Mit einem Hochgefühl setzte ich mich schließlich wieder in mein Wohnmobil Betzi und steuerte weiter entlang der bretonischen Küste, Richtung Norden. (Fotos: Privat)