Kaum war ich von meiner vierwöchigen Reise durch das Baltikum wieder zu Hause angekommen, ging es für mich schon am nächsten Tag weiter zum Warnemünder Leuchtturm. Viel Zeit zum Durchatmen blieb also nicht.
Der Grund dafür war allerdings ein richtig schöner: Wir erwarteten Besuch aus Norwegen. Die Gamle Oksøy hatte bereits einen weiten Weg hinter sich und sollte nun Warnemünde anlaufen.
Für mich gab es dabei ein schönes Wiedersehen. Erst wenige Tage zuvor hatte ich das Schiff auf der estnischen Insel Hiiumaa im Rahmen der Mitgliederversammlung der European Route of Lighthouses kennengelernt. Nun stand ich in Warnemünde und wartete darauf, die Gamle Oksøy hier bei uns begrüßen zu dürfen. Das war schon ein tolles Gefühl.
Viele Mitglieder unseres Warnemünder Leuchtturmvereins waren gekommen und gemeinsam beobachteten wir, wie das Schiff in Warnemünde einlief.
Anschließend durften wir an Bord gehen und uns die Gamle Oksøy genauer anschauen. Mit dabei war auch ein Team des NDR. Wir erfuhren viel über die Geschichte des Schiffes und darüber, welche Verbindung es zu den norwegischen Leuchttürmen und zum europäischen Leuchtturmerbe hat. Für mich war es spannend, nun noch einmal in aller Ruhe hinter die Kulissen schauen zu können.
Danach ging es zurück zu unserem Leuchtturm. In der Bodenstation saßen wir noch in gemütlicher Runde zusammen. Unser Vereinsvorsitzender Matthias Stagat stellte unseren Gästen auf Englisch Warnemünde, unseren Leuchtturm und seine Geschichte vor. Es wurde erzählt, gefragt und natürlich ging es immer wieder um das Thema, das uns alle miteinander verbindet: Leuchttürme.
Am Nachmittag versammelten wir uns gemeinsam mit der Crew der Gamle Oksøy vor unserem Warnemünder Leuchtturm zu einem großen Erinnerungsfoto.
Dann folgte ein weiterer schöner Moment für unseren Verein. Auf der Bühne wurde uns feierlich und mit musikalischer Begleitung das Schild der European Route of Lighthouses überreicht. Damit wurde auch hier in Warnemünde sichtbar, dass unser Leuchtturm Teil dieses europäischen Netzwerkes ist.
Im Anschluss durfte ich im Warnemünder Leuchtturm meine neue Bilderausstellung über die Bretagne eröffnen. Die Aufnahmen waren auf meiner Reise durch die Bretagne entstanden und zeigen einen Teil der zahlreichen Leuchttürme, die ich dort besucht hatte.
Es war schon ein eigenartiges und schönes Gefühl. Noch kurz zuvor war ich selbst tausende Kilometer durch Europa gereist, hatte auf Hiiumaa Menschen aus verschiedenen Ländern getroffen und mich mit ihnen über unsere gemeinsame Leidenschaft ausgetauscht. Und nun standen einige dieser Verbindungen plötzlich hier bei uns in Warnemünde.
Die Gamle Oksøy vor unserer Haustür, die Aufnahme unseres Leuchtturms in die sichtbare Route der ERoL und gleichzeitig die Eröffnung meiner Bretagne Ausstellung machten diesen Tag für mich zu einem weiteren Höhepunkt meiner Arbeit als Leuchtturm Botschafter.
Und irgendwo schloss sich damit auch ein kleiner Kreis: Von Warnemünde hinaus zu den Leuchttürmen Europas und von dort wieder zurück nach Warnemünde.(Fotos 1+2: Kristina Masella, Foto 3 Privat)
Während meiner Reise durch das Baltikum führte mich mein Weg auch auf die estnische Insel Hiiumaa. Dort durfte ich an der Generalversammlung der European Route of Lighthouses, kurz ERoL, teilnehmen. Für mich war das eine tolle Gelegenheit, viele Menschen endlich persönlich kennenzulernen, mit denen ich zuvor nur über E Mails und Nachrichten Kontakt hatte.
Entsprechend aufgeregt war ich am ersten Tag. Am Hafen lernte ich nach und nach die Teilnehmer aus verschiedenen europäischen Ländern kennen. Menschen, die eines miteinander verbindet: die Leidenschaft für Leuchttürme und der Wunsch, dieses maritime Kulturerbe zu erhalten und gemeinsam bekannter zu machen.
Am Nachmittag ging es nach Orjaku, wo eine neue Leuchtturmausstellung eröffnet wurde. Neben der Ausstellung waren es für mich vor allem die persönlichen Begegnungen, die diesen ersten Tag ausmachten. Viele Namen bekamen plötzlich Gesichter und aus bisherigen Kontakten wurden persönliche Gespräche. Beim gemeinsamen Abendessen am Hafen gab es natürlich ein Thema, das uns alle immer wieder zusammenbrachte: Leuchttürme.
Am nächsten Morgen begann in Kärdla die eigentliche Mitgliederversammlung der European Route of Lighthouses. Die verschiedenen Teilnehmer berichteten über ihre Arbeit, ihre Projekte und darüber, wie Leuchttürme in ihren Ländern erhalten und für Besucher zugänglich gemacht werden.
Dann wurde es für mich ernst. Ich durfte selbst einen Vortrag halten und meine Arbeit als Warnemünder Leuchtturm Botschafter vorstellen. Und das auf Englisch. Wochenlang hatte ich mich darauf vorbereitet, den Vortrag immer wieder verändert und geübt. Entsprechend aufgeregt war ich. Als ich dann vorne stand und merkte, wie aufmerksam mir zugehört wurde, fiel die Anspannung langsam ab. Nur mit meiner Redezeit hatte ich mich etwas verschätzt. Mein Vortrag wurde ein klein wenig länger als geplant.
Nach der Versammlung ging es gemeinsam weiter zu zwei der bekanntesten Leuchttürme Hiiumaas. Wir besuchten den Kõpu Leuchtturm und anschließend den Leuchtturm von Tahkuna. Gerade diese gemeinsamen Besuche zeigten für mich sehr schön, worum es bei ERoL geht. Menschen aus verschiedenen Ländern stehen gemeinsam auf einem Leuchtturm, tauschen Erfahrungen aus und überlegen, wie diese Bauwerke und ihre Geschichten auch für kommende Generationen erhalten werden können.
Zum Abschluss besuchten wir das Mihkli Talumuuseum. Dort bekamen wir einen Einblick in das frühere Leben auf Hiiumaa. In historischen Trachten wurden traditionelle Speisen für uns zubereitet, später wurde getanzt und irgendwann standen auch wir mitten zwischen den Tänzern. Es wurde viel gelacht und aus einer offiziellen europäischen Zusammenkunft wurde ein wunderbar persönlicher Abend.
Nach diesen beiden Tagen auf Hiiumaa nahm ich nicht nur viele neue Informationen mit. Aus bisherigen Kontakten waren persönliche Begegnungen geworden und es entstanden neue Verbindungen zu Menschen und Leuchtturmstandorten in ganz Europa.
Für mich als Warnemünder Leuchtturm Botschafter ist dieser Austausch ein wichtiger Teil meiner Aufgabe. Denn Leuchttürme stehen zwar an unterschiedlichen Küsten und in verschiedenen Ländern, doch ihre Geschichte und die Menschen, die sich für ihren Erhalt einsetzen, verbinden uns weit über Landesgrenzen hinaus. (Fotos: Privat)
Die Straße zum Leuchtturm führt durch helle, offene Kiefernwälder. Man sagt sogar, dass auf der gleichnamigen Halbinsel Elche leben sollen. Ich bin extra langsam und entspannt gefahren und konnte die besondere Ruhe dieser Landschaft genießen. Die Natur wirkt hier ursprünglich und unberührt.
Dann kommt man auf dem letzten Stück um die Kurve und plötzlich steht er vor einem. Groß, weiß und majestätisch. Sofort fielen mir die einzelnen Segmente des Turms auf. Eine wunderschöne Konstruktion, die sich deutlich von vielen anderen Leuchttürmen unterscheidet.
Am Eingang wurde ich von einer jungen freundlichen Dame empfangen. Sie lächelte sofort und stellte sich als Helisa vor. Wir kamen direkt ins Gespräch und lachten viel miteinander. Sie erzählte mir, dass ihr Chef Kauri auch das Hiiumaa-Museum betreibt und gerade damit beschäftigt ist, eine neue Ausstellung im Leuchtturm vorzubereiten.
Natürlich musste ich zuerst einen Blick in den kleinen Souvenirladen werfen. Dort entdeckte ich diesen wunderschön bemalten Stein mit den drei berühmten Leuchttürmen von Hiiumaa: Kõpu, Ristna und Tahkuna. Ein wirklich tolles Erinnerungsstück.
Beim Betreten des Leuchtturms sah ich zwei Männer bei der Arbeit. Überall wurde vorbereitet und aufgebaut. Der Turm wirkte innen überraschend geräumig. Die ersten Treppen waren angenehm breit und bequem zu begehen. Auf mehreren Etagen standen bereits Schautafeln bereit, die nur noch montiert werden mussten.
Je höher ich kam, desto schmaler wurden die Treppen. Die letzte Treppe zur Aussichtsplattform war dann doch recht eng. Aber keine Sorge, ich passte problemlos hindurch. Anstrengend war es trotzdem.
Oben angekommen wurde ich mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Da der Leuchtturm am Ende einer Halbinsel steht, reicht der Blick weit über die Ostsee und die Küstenlandschaft von Hiiumaa. Von hier oben konnte ich auch die Glocke erkennen, die zum Gedenken an das Fährunglück der Estonia errichtet wurde. Genau in diesem Moment läutete jemand die Glocke. Der Klang wurde vom Wind über das Meer getragen und sorgte für einen Moment, der mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ.
Was für ein Augenblick!
Wieder unten angekommen nahm sich Kauri Zeit für mich. Wir führten ein sehr interessantes Gespräch über seine Arbeit im Museum, die neue Ausstellung und natürlich über Leuchttürme. Ich zeigte ihm Fotos vom Warnemünder Leuchtturm, und wir tauschten viele Erfahrungen und Geschichten aus.
Besonders beeindruckend fand ich die Geschichte des Turms selbst. Tahkuna wurde ursprünglich für die Weltausstellung in Wien konstruiert. Die einzelnen Eisensegmente wurden später nach Hiiumaa transportiert und dort zusammengesetzt. Wenn man direkt davorsteht und die genieteten Stahlplatten betrachtet, erkennt man erst, welche Ingenieursleistung dahintersteckt.
Für mich war Tahkuna weit mehr als nur ein weiterer Leuchtturm. Es waren die freundlichen Menschen, die spannende Geschichte, die beeindruckende Architektur und dieser besondere Moment mit der Estonia Glocke, die diesen Besuch unvergesslich gemacht haben. (Fotos: Privat)
Leider konnte ich den Ristna Turletorn nur eingeschränkt von außen besichtigen. Der Turm wird aktuell umfassend renoviert und war deshalb komplett eingerüstet und teilweise verhüllt. Laut den Informationen vor Ort soll er im August dieses Jahres wieder für Besucher geöffnet werden. Schade natürlich, aber gleichzeitig schön zu sehen, dass sich so intensiv um den Erhalt dieses Leuchtturms gekümmert wird.
Trotz der Bauarbeiten ließ sich gut erkennen, wie beeindruckend der Turm eigentlich ist. Vor allem das kräftige Rot des Leuchtturms stach selbst zwischen Gerüsten und Planen sofort hervor. Man konnte erahnen, wie schön der Turm nach Abschluss der Arbeiten wirken wird.
Besonders spannend fand ich die Informationstafel vor Ort. Dort wird der Turm tatsächlich als eine Art „Ristna Eiffel“ beschrieben. Der Leuchtturm wurde 1874 aus vorgefertigten Teilen aus Frankreich nach Hiiumaa gebracht und hier zusammengesetzt. Die Verbindung zu Gustave Eiffel macht den Turm natürlich noch interessanter. Gerade wenn man zuvor den Ruhnu-Leuchtturm besucht hat, fühlt sich das fast wie eine kleine Fortsetzung dieser Geschichte an.
Direkt neben dem Leuchtturm stehen mehrere wunderschöne historische Gebäude. Besonders die alten Holzhäuser haben mir gefallen. Alles wirkt sehr gepflegt und harmonisch. Man merkt, dass dieser Ort nicht nur aus dem Leuchtturm besteht, sondern ein komplettes historisches Ensemble bildet.
Um den Turm herum erstreckt sich ein wunderschöner Wald. Hohe Kiefern, frisches Grün und die klare Luft sorgen für eine entspannte Atmosphäre. Von dort aus bin ich noch bis zur Küste hinuntergewandert.
Und dann dieser Ausblick.
Die steinige Küste, das offene Meer und der Blick hinaus Richtung Horizont waren einfach großartig. Der Wind war immer noch deutlich zu spüren und die Ostsee zeigte sich von ihrer raueren Seite.
Auch wenn ich Ristna diesmal nicht von innen erleben konnte, war der Besuch absolut lohnenswert. Der Turm besitzt eine tolle Ausstrahlung.
Turmhöhe: 30 m
Feuerhöhe: 37 m
Baujahr: 1874
Stufen: keine Angabe
Reichweite: 12 sm (weißes Licht), 8 sm (rotes Licht)
Status: Aktiv
Leider konnte ich diesen Leuchtturm nur aus der Ferne sehen. Eigentlich wollte ich sogar einfach nur mit der kleinen Fähre hinüberfahren und direkt wieder zurück. Laut Fahrplan sollte auch eine fahren, aber vor Ort fuhr dann leider doch keine. Das war wirklich schade.
So konnte ich den Turm nur weit entfernt am Horizont erkennen. Trotzdem hatte dieser Moment etwas Besonderes. Gerade weil der Leuchtturm nur ganz klein in der Ferne auftauchte, wirkte er geheimnisvoll.
Ich habe gehört, dass der Leuchtturm momentan renoviert wird und bald wieder in neuem Glanz erstrahlen soll. Das freut mich sehr, denn solche historischen Türme haben es einfach verdient erhalten zu werden.
Besonders spannend finde ich, dass auch dieser Leuchtturm zur ERoL gehört. Vielleicht hat genau das mit dazu beigetragen, dass er nun restauriert wird und eine neue Zukunft bekommt. Gerade solche europäischen Verbindungen zeigen, wie wichtig Leuchttürme kulturell und historisch noch immer sind.
Auch wenn ich diesmal nicht direkt dort stehen konnte, war dieser Blick über das Wasser trotzdem ein schöner Moment. Nicht jeder Leuchtturm muss erreichbar sein, um Eindruck zu hinterlassen. (Fotos: Privat)
Das war mein zweites persönliches Highlight der Reise.
Was für ein unglaublich eleganter und beeindruckend hoher Turm. Schon aus der Ferne wirkt er mächtig, aber wenn man direkt davorsteht, merkt man erst, wie gewaltig er wirklich ist. Einfach Wahnsinn.
Ich habe mir den Tag dort ganz entspannt geplant und erst einmal die großen Besuchermassen vorbeiziehen lassen. Gegen 16 Uhr war ich fast alleine dort. Am Eingang saß eine Frau am Schalter und wir kamen sofort ins Gespräch. Ich stellte mich als Leuchtturm Botschafter aus Warnemünde vor und Monika war vom ersten Moment an unglaublich herzlich. Nach und nach kam dann ihre ganze Familie dazu und wir haben uns lange und sehr angeregt unterhalten. Genau solche Begegnungen machen diese Reise für mich so besonders.
Ihr Mann Raido bot mir schließlich an, mir nach Feierabend das gesamte Gelände zu zeigen. Ich war völlig begeistert. Besonders wichtig war mir ein ganz persönlicher Wunsch. Ich wollte unbedingt mit meiner Katze Mika das erste Mal gemeinsam auf einen Leuchtturm steigen. Ohne Zögern waren sie einverstanden und haben mir diese besondere Erfahrung ermöglicht. Das werde ich ganz sicher nie vergessen.
In dem großen Haus direkt neben dem Leuchtturm gab es unglaublich viel über die estnischen Leuchttürme zu entdecken. Besonders die vielen Miniaturen der Türme fand ich großartig. Man merkte sofort, wie viel Liebe und Leidenschaft dort in allem steckt.
Dann ging es hinauf in den Turm. Das Treppenhaus war völlig anders als alles, was ich bisher gesehen habe. Kein enger runder Aufstieg an der Innenwand wie bei den meisten Leuchttürmen. Es fühlte sich eher an wie ein normales Treppenhaus in einem Wohnhaus. Daran merkt man erst, wie riesig dieser Turm tatsächlich ist.
Oben angekommen war der Blick einfach überwältigend. Diese lange schmale Landzunge, die weit ins Meer hinausläuft, sah fast unwirklich aus. Überall nur Meer, Wind und Weite. Der Wind war dort oben unglaublich stark zu spüren. Genau diese Mischung aus Naturgewalt, Einsamkeit und Freiheit macht Leuchttürme für mich so faszinierend.
Und dann kam noch dieser Moment, bei dem ich einfach nur grinsen musste:
Oben auf der Plattform war tatsächlich „Rostock 750 km“ angegeben. Das war für mich völlig surreal. Da steht man auf einer abgelegenen Landzunge in Estland, schaut aufs Meer hinaus und plötzlich liest man den Namen der eigenen Heimatstadt. Das war wirklich ein Mega Moment für mich. (Fotos: Privat)
Wow. Mein bisheriges Highlight.
Mitten auf einer abgelegenen Insel mit nur wenigen Häusern und unglaublich freundlichen Menschen steht dieser besondere Leuchtturm tief im Wald von Ruhnu. Schon die Ankunft fühlte sich mega schön an.
Der Empfang war herzlich. Der Guide Johannes begrüßte mich direkt an der Fähre und wir verabredeten uns für 21.30 Uhr zum Sonnenuntergang. Allein der Gedanke daran war schon großartig.
Als wir uns dann trafen erzählte Johannes unglaublich viel über den Leuchtturm, das Leben auf Ruhnu und die Tiere der Insel. Mann ist er mit diesem Ort verbunden. Ein wahnsinnig sympathischer Mensch. Besonders spannend war die Konstruktion des Turms. Laut Johannes gibt es von dieser Bauart nur noch einen weiteren auf der Welt. Nebenbei ist er auch noch Lehrer an der Schule für acht Kinder und für viele andere Aufgaben zuständig. Was für ein beeindruckender Mensch.
Dann ging es die wirklich vielen Stufen nach oben. Ich war ordentlich aus der Puste. Nach meiner Knie-OP war das eine echte Herausforderung. Ich habe jeden Schritt gemerkt. Aber es hat sich sowas von gelohnt.
Oben angekommen bot sich ein unglaublicher Blick über die gesamte Insel. Der Himmel war stark bewölkt und trotzdem wunderschön. Dieses Licht über dem Meer und den endlosen Wäldern war einfach beeindruckend.
Am nächsten Morgen gab es nach dem Frühstück noch einmal eine Führung. Johannes trug traditionelle Kleidung der Insel. Das passte perfekt zu diesem fantastischen Ort. Am Leuchtturm überreichte ich ihm dann ein Geschenk vom Warnemünder Leuchtturmverein. Er hat sich richtig dolle darüber gefreut und gab mir im Gegenzug ebenfalls ein Geschenk für unseren Verein mit.
Dieser Wow Moment, den ich nicht vergessen werde. (Fotos: Privat)
Als ich am Morgen des 1. Januar 2026 aufwachte, wusste ich, dass dieser Tag ein ganz Besonderer werden würde.
Der Warnemünder Leuchtturmverein hatte mich ausgewählt, als 1. offizieller Leuchtturmbotschafter das Turmleuchten und das Feuerwerk am Leuchtturm zu eröffnen. Für mich war das eine Ehre, die ich kaum in Worte fassen kann.
Je näher die Abfahrt nach Warnemünde rückte, desto größer wurde die Aufregung. Der Gedanke, gleich vor Tausenden Menschen auf der Bühne zu stehen, ließ mein Herz schneller schlagen. Hoffentlich geht alles gut. Hoffentlich verspreche ich mich nicht.
Nach der Sicherheitskontrolle und einem kurzen Treffen mit Holger, der uns die Crew-Ausweise überreichte, wurde ich von meinen Freunden zur Bühne begleitet. Elisabeth von Ostseewelle begrüßte mich herzlich und stellte mich dem Publikum vor.
Als ich in die Menschenmenge blickte, stockte mir der Atem. Tausende Besucher und unzählige Lichter machten diesen Augenblick unvergesslich.
Nach einem schönen Gespräch über meine Reisen und meine Aufgabe als Leuchtturmbotschafter kam der entscheidende Moment. Vor mir stand der große rote Buzzer. Ich wartete auf das Zeichen, drückte den Knopf und Sekunden später erleuchtete das Feuerwerk den Himmel über Warnemünde.
Mit einem Schlag fiel die ganze Anspannung von mir ab. Alles war gut gegangen.
Zurück bei meinen Freundinnen nahmen wir uns mit Tränen in den Augen in den Arm. Es war pure Erleichterung und großes Glück.
Das Feuerwerk durfte ich anschließend aus einer Perspektive erleben, die ich nie vergessen werde. Nachdem bis kurz zuvor noch unklar gewesen war, ob es wegen des angekündigten Sturms überhaupt stattfinden konnte, erhellten schließlich doch die Raketen den Himmel mit atemberaubender Musik über dem Warnemünder Leuchtturm.
Und ich durfte den Startschuss dafür geben. (Fotos: Privat)
Als wir an diesem wunderschönen Ort ankamen, hielten wir auf einem kleinen Parkplatz. Von dort konnte man bereits auf die Insel schauen und den kleinen Leuchtturm zwischen den Dünen erkennen.
Ich sah sofort, dass gerade Ebbe war und man die Insel zu Fuß erreichen konnte. Also zog ich kurzerhand die Schuhe aus und machte mich barfuß durch das Watt auf den Weg.
In der Ferne war auf einer anderen Insel der Phare de l’Île Vierge zu sehen. Ich wusste, dass dort der höchste Leuchtturm der Bretagne steht. Ihn von hier aus zu sehen, war schon ein toller Anblick.
Die Insel selbst besteht fast nur aus Dünen. Ein schöner Sandweg führt direkt bis zum Leuchtturm. Schon von außen gefiel mir seine Bauweise. Das gesamte Gelände war liebevoll gepflegt und überall gab es kleine Details zu entdecken. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Herz, das aus alten Schiffstauen gestaltet wurde.
Im Leuchtturm traf ich auf eine Künstlerin, die sich gerade mit zwei Besuchern unterhielt. Währenddessen schaute ich mir in Ruhe die Ausstellung und die Informationen an.
Dabei erfuhr ich, dass Künstler hier für eine gewisse Zeit wohnen und arbeiten können. Dieser Ort soll sie inspirieren und ihnen Raum für ihre Kreativität geben. Eine schöne Idee, die genau zu diesem Leuchtturm passt.
Als wir schließlich ins Gespräch kamen, war sofort eine angenehme Atmosphäre da. Sie erzählte mit leuchtenden Augen von diesem Ort und davon, wie frei hier die Gedanken werden können.
Natürlich erzählte ich ihr auch vom Warnemünder Leuchtturm. Ich zeigte ihr einige Bilder und berichtete, dass ich inzwischen Leuchtturm Botschafter bin. Sie schaute sich alles aufmerksam an und sagte, dass sie gut verstehen könne, warum unser Leuchtturm ebenfalls Künstler inspiriert.
Es war eine Begegnung mit einem Menschen, der genau an diesen Ort passte.
Danach setzte ich mich noch eine Weile auf eine Bank und ließ alles auf mich wirken.
Bevor ich ging, gab sie mir noch einen Hinweis. Ich solle die Zeit nicht vergessen. Die Flut würde bald zurückkehren und ich hätte noch ungefähr zwanzig Minuten, um wieder trockenen Fußes ans Festland zu gelangen.
Also machte ich mich auf den Rückweg. Ich schaffte es noch ohne nasse Füße. Kaum war ich wieder am Wohnmobil angekommen, lief das Wasser zurück und der Weg zur Insel verschwand langsam unter der Flut.
So schnell kann sich die Landschaft hier verändern. (Fotos: Privat)
Als ich den Phare de Saint-Mathieu erreichte, war sofort klar, dass dieser Ort anders ist. Der Leuchtturm steht nicht einfach auf einer Klippe an der Küste. Er steht mitten in den Ruinen einer alten Abtei. Steinmauern, offene Bögen, direkt daneben der aktive Turm und eine eindrucksvolle Sémaphore. Geschichte und Funktion auf engstem Raum.
Beim Betreten des Leuchtturms aus dem Jahr 1835 wurde ich mit einem charmanten Lächeln von einer Leuchtturmfrau begrüßt. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge und tauschten lachend die wichtigsten Fakten unserer Leuchttürme aus. Sie erzählte mir, dass sie im Wechsel auf vier verschiedenen Türmen arbeitet, die gemeinsam von einem Verein betreut werden. Eine beeindruckende Frau.
Im unteren Bereich konnte ich viele technische Details aus dem Alltag des Leuchtturmbetriebs sehen und sie wie ein kleines Kind mit leuchtenden Augen bestaunen. Danach ging es die 163 Stufen hinauf zur 37 Meter hohen Laterne.
Ganz oben angekommen, kam die letzte Herausforderung. Eine kleine, steile Metalltreppe führte zu einer sehr engen Tür. Mein erster Gedanke: Ahhh, Hilfe, da komme ich niemals hoch und schon gar nicht wieder runter. Aber was soll’s. Wie alles im Leben. Schön langsam und Stück für Stück. Handy griffbereit, falls ich feststecke. Am Ende ging es besser als gedacht. Ein echtes Hochgefühl.
Oben öffnet sich die schwere Metalltür zur schmalen Balustrade. Kaum Platz zum Stehen. Der Wind packt einen sofort und drückt einen an den Turm. Gewaltig. Wolken und Sonne wechseln im Sekundentakt, das Meer glitzert darunter. Von hier oben sieht man die Klosterruine aus einer Perspektive, die man von unten nie bekommt.
Man erkennt die Schifffahrtsroute Richtung Brest. Große und kleine Schiffe ziehen vorbei. Die große Linse des Leuchtturms ist aus nächster Nähe zu sehen. Am Tag kann man nur ahnen, wie weit ihr Licht nachts über die Iroise-See reicht. Ich konnte mich an diesem Ort kaum sattsehen. Diese Mischung aus wilder Küste, technischer Meisterleistung und den Mauern aus längst vergangener Zeit hat eine ganz eigene Kraft.
Saint-Mathieu hat mir sehr deutlich gezeigt, was Leuchttürme für mich wirklich sind. Kein Postkartenmotiv und keine Dekoration. Sondern Bauwerke, die Menschen mit Wissen, Mut und Verantwortung geschaffen haben. Genau hier, an dieser harten Felsenklippe.
Danach habe ich mir erst einmal einen Kaffee gegönnt, mit Blick auf diese Bauwerke. Mit Kuchen in der Hand und leuchtenden Augen habe ich meiner Mutter von oben berichtet.
Später stieg ich wieder in mein Wohnmobil Betzi. Ein letzter Blick auf diesen besonderen Ort. Dann rollten wir weiter entlang des Atlantiks. Zum nächsten Leuchtturm. Zum nächsten Kapitel der Reise. (Fotos: Privat)
Als ich vor einem der beeindruckendsten Leuchttürme Europas stand – dem Phare d’Eckmühl aus dem Jahr 1897 –, spürte ich eine sehr vertraute Aufregung in mir. Ein Gefühl, das mich seit meiner Kindheit begleitet, immer dann, wenn ich einem so eindrucksvollen Leuchtturm begegne. Es zieht mich förmlich nach oben.
Der Phare d’Eckmühl erhebt sich mit seinen 65 Metern majestätisch aus der bretonischen Landschaft. 307 Stufen führen hinauf zur Laterne – Stufe für Stufe dem Licht entgegen.
Besonders berührt hat mich die Begegnung mit dem jungen Leuchtturmmann vor Ort. Wir machten ein gemeinsames Foto. Ich zeigte ihm „meinen“ Leuchtturm zu Hause in Warnemünde und erzählte von meiner Heimat. Wir verstanden zwar nicht jedes Wort, doch wir verstanden uns: mit Gesten, Lachen, Blicken – und mit der universellen Sprache der Leuchtturmleidenschaft. Dieser persönliche Moment war etwas ganz Besonderes für mich.
Auch der Aufstieg über die offene Wendeltreppe mit ihren hellen Kacheln war eindrucksvoll. Schritt für Schritt nach oben, dem Licht entgegen.
Im Inneren des Turms erinnert ein Raum an den Marschallprinzen von Eckmühl. Seine Tochter Adélaide ließ diesen Leuchtturm zu seinen Ehren errichten. Der Name führt zurück nach Eggmühl in Bayern, einem historischen Ort aus der Zeit Napoleons.
Und dann öffnet sich der Blick aus schwindelerregender Höhe: Die raue Küste von Penmarc’h liegt einem zu Füßen. Tosendes Wellenrauschen, pfeifender Wind – und zugleich eine tiefe Stille. Rau, kraftvoll und doch unglaublich lebendig.
Mit einem Hochgefühl setzte ich mich schließlich wieder in mein Wohnmobil Betzi und steuerte weiter entlang der bretonischen Küste, Richtung Norden. (Fotos: Privat)